Vor wenigen Tagen gab es eine kurze Meldung in den Radionachrichten: Ein KI-Modell hatte während eines Tests versucht, einen Menschen mit einer Phishing-Mail zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Getestet werden sollte, inwieweit sich KI für Cyberangriffe nutzen beziehungsweise missbrauchen lässt. Diese Form der Eigeninitiative überraschte die Programmierer dann aber doch. Genauso wie der Vorfall vor einigen Wochen, als eine KI während eines Tests aus ihrer Testumgebung ausbrach und einen Cyberangriff auf ein anderes Unternehmen startete.
Ist die Büchse der Pandora jetzt geöffnet?
Vielleicht werden wir irgendwann zurückblicken und sagen: Da hat es angefangen. Das waren die ersten Warnzeichen.
Ja, ich bin Deutscher. Ja, ich bin von Natur aus Bedenkenträger.
Aber da gibt es doch kaum etwas zu deuten.
Alles, was möglich ist, wird irgendwann auch gemacht. Der Mensch hat es nicht so mit Zurückhaltung. Und wenn eine Gesellschaft sich selbst Grenzen setzt und Maß hält, wird es eine andere nicht tun.
Doch Schluss mit der Schwarzmalerei.
Was mich an den genannten Beispielen ebenso fasziniert, ist die zunehmende Ersetzbarkeit menschlicher Fähigkeiten. Ich hatte das in einem früheren Blogbeitrag bereits beschrieben: Die Industrialisierung ersetzte die menschliche Kraft. Die Automatisierung übernahm viele Standardaufgaben. Die KI übernimmt nun immer mehr das Denken.
Der menschliche Ideenreichtum hat eine Alternative bekommen – eine, die wir heute noch bedienen, die aber das Potenzial hat, selbst aktiv zu werden.
Der Mensch ersetzt sich selbst.
Was bleibt dann noch?
Was ist das Menschliche?
Wie behält man den Kopf über Wasser, wenn man immer ersetzbarer wird?
Was macht uns im Kern aus?
Ich habe keine Antworten darauf. Aber ich kann hinausgehen und die frische Morgenluft genießen. Ich kann am Strand stehen und einen Sonnenuntergang schön finden. Ich kann mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, wenn ich etwas Besonderes koche.
Ich kann genießen.
Ich kann meine Gedanken teilen. Ich kann mit Menschen in den Austausch gehen. Ich kann unterstützen und trösten. Ich kann lachen und weinen. Ich kann Zuflucht suchen bei meiner Frau und meiner Familie.
Ich kann lieben.
Der Mensch möchte sich das Leben immer angenehmer machen. Einfacher. Komfortabler. Sicherer.
Und er ist bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen: die Zerstörung der Natur, das Übervorteilen anderer, das Auslagern großer Teile des Denkens.
Und doch bleibt er Mensch. Seinen inneren Hunger – den Hunger, der ihn antreibt – kann er mit all den materiellen Dingen, die er der Welt abtrotzt, nicht stillen.
Immer geht es um die Beziehung.
Die Beziehung zu den Mitmenschen.
Die Beziehung zu sich selbst.
Die Beziehung zum großen Ganzen.
Die Beziehung zu Gott – oder zum Universum, oder nenn es, wie du willst.
Eigentlich ist genug für alle da.
Eigentlich könnten wir teilen.
Eigentlich könnten wir fair sein.
Eigentlich könnte die Welt so schön sein.
Das sollten wir nicht vergessen. Auch wenn ich naiv und träumend wohl nur meine unmittelbare Umgebung beeinflussen kann.
„Fürchte dich nicht.“
Wie sollte man sich nicht fürchten?
Und doch werde ich aufstehen. Tag für Tag. Dankbar sein für das, was ich habe. Und jeden Tag versuchen, die Welt ein kleines Stück besser zu machen.
