Silent Disco

Ich war vor Kurzem mit meinen Kolleginnen und Kollegen auf dem Betriebsfest. Herrliches Sommerwetter. Sonne satt. Temperaturen deutlich jenseits der 30-Grad-Marke.

Und so kam es, wie es kommen musste: Für den Abend war Gewitter angesagt.

Zunächst ließen wir uns davon nicht beirren. Wir saßen draußen, genossen die Atmosphäre und hatten unseren Spaß. Dann deuteten die ersten Regentropfen und das Donnergrollen in der Ferne an, dass der angekündigte Gewitterschauer keinen Bogen um uns machen würde.

Die Veranstalter hatten alles im Griff und empfahlen, nach drinnen zu gehen. Das nächste „Drinnen“ war für uns eine Halle mit einer Silent Disco. Die Halle selbst war erstaunlich leise, obwohl überall Menschen tanzten. Nur hin und wieder sang jemand plötzlich lautstark einen Refrain mit.

Jeder von uns bekam einen Kopfhörer in die Hand gedrückt. Meine Kollegin erklärte mir das Prinzip: Jeder Kopfhörer hatte auf der einen Seite einen Lautstärkeregler, auf der anderen einen Schalter, mit dem man verschiedene Sender einstellen konnte. Beim Betriebsfest gab es allerdings nur einen Sender. Noch spannender sei es, meinte sie, wenn mehrere Frequenzen angeboten würden. Dann könne jeder seine Lieblingsmusik auswählen – und entsprechend würden auch alle unterschiedlich tanzen.

Wir setzten die Kopfhörer auf und tauchten in unsere ganz eigene Discowelt ein. Jeder hörte die Musik, die ihm der Kopfhörer exklusiv auf die Ohren spielte.

Ich finde: So ist es auch mit Gott.

Wir alle tanzen auf derselben Erde, aber wir alle tragen unseren eigenen Kopfhörer. Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Frequenz. Manche liegen nah beieinander, andere weit auseinander. Deshalb tanzen wir unterschiedlich – und doch alle in derselben Welt.

Es gibt verschiedene Konfessionen, verschiedene Religionen und unterschiedliche Formen der Spiritualität. Schnell neigen wir dazu, Menschen in Gruppen einzuteilen, Schubladen zu bilden und nach Clustern zu suchen. Das kann sinnvoll sein, um große Denkschulen und Gemeinsamkeiten zu beschreiben. Je näher wir einem einzelnen Menschen kommen, desto weniger tragen diese Kategorien.

Ich bin überzeugt: Es gibt so viele Gottesbilder und Glaubensverständnisse, wie es Menschen gibt. Jeder hat seine eigene Frequenz, seine ganz persönliche Verbindung zu Gott. Wir können Gemeinschaft bilden – mit Menschen, die ähnlich tanzen, aber auch mit denen, deren Rhythmus ganz anders ist. Am Ende bleibt die Beziehung zu Gott aber immer eine zutiefst persönliche. In diesem Sinne: Frohes Tanzen.

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