… aber nicht unvorbereitet.
Der Nachsatz ist wichtig. Trotzdem beginne ich mit dem ersten Teil: „Starte, bevor du bereit bist.“
Da ich gerade erst aus dem Urlaub zurückgekehrt bin und die Erinnerungen noch frisch sind, muss dafür noch einmal eine Urlaubsmetapher herhalten. Ich war in Wijk aan Zee in Holland – und ich liebe es, dort mit den Kindern ins Meer zu gehen und mich in die Wellen zu werfen.
Trotzdem kostet mich das erste Mal Überwindung. Das Wasser ist kalt, und am schlimmsten ist der Moment, in dem es den Bauch erreicht. Doch sobald man die ersten Wellen abbekommen und sich an die Kälte gewöhnt hat, ist es plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Dann kann es richtig losgehen.
Und mit jedem weiteren Mal wird es leichter. Das Wasser ist zwar immer noch kalt. Aber man weiß inzwischen, was einen erwartet.
So ist es mit vielen Dingen im Leben. Ich kann mir vornehmen anzufangen, sobald ich dieses oder jenes erledigt habe. Wenn ich erst noch einen Workshop besucht oder ein bestimmtes Buch gelesen habe. Wenn die Fenster geputzt sind und mein Arbeitsplatz optimal eingerichtet ist.
Es gibt erstaunlich viele Dinge, mit denen man sich vor dem Anfangen drücken kann.
Das Geheimnis ist allerdings: Man wird niemals vollkommen bereit sein. Es wird immer noch etwas geben, das man vorher erledigen, lernen oder verbessern könnte. Doch wer nach der perfekten Vorbereitung strebt, läuft Gefahr, am Ende gar nicht anzufangen.
Deshalb hilft es bei so vielen Dingen, einfach loszulegen. Man trifft auf Widerstände und unerwartete Herausforderungen. Vielleicht erwischt einen auch die eine oder andere Welle kalten Nordseewassers. Aber man kommt voran: erst langsam, dann immer sicherer – und irgendwann ist man mittendrin.
Starte, bevor du bereit bist. Das ist der erste Teil meines Tipps.
Und nun kommt der wichtige Nachsatz: Starte nicht unvorbereitet.
Denn anzufangen, bevor man sich vollkommen bereit fühlt, bedeutet nicht, kopflos ins Ungewisse zu springen. Natürlich ist es sinnvoll, sich auf eine neue Aufgabe vorzubereiten. Natürlich sollte man sich Wissen aneignen und die grundlegenden Fähigkeiten mitbringen. Sie müssen nur noch nicht vollständig entwickelt sein.
Denn sobald man beginnt, sammelt man Erfahrungen, die keine noch so gründliche Vorbereitung ersetzen kann. Man lernt beim Tun, bewältigt konkrete Herausforderungen und wird mit jedem Schritt besser. So erreicht man irgendwann ein Niveau, das man allein durch Workshops, Bücher und sorgfältige Planung niemals erreichen würde.
Vorbereitung ist gut und wichtig. Aber wir sollten nicht auf den Moment warten, in dem wir uns perfekt vorbereitet fühlen. Denn dieser Moment kommt nie. Und während wir auf ihn warten, verpassen wir womöglich die Gelegenheit, das zu tun, was wir eigentlich tun möchten.
Also: Bereite dich vor. Und dann starte, bevor du bereit bist.
In diesem Sinne: Bleib achtsam!
