Ein achtsamer Moment zwischen dem letzten Schluck Kaffee und dem ersten Schritt vor die Tür
Ich stehe jeden Morgen früh auf. Ich mag das einfach. Schon oft hat meine Frau gesagt, sie würde an meiner Stelle länger schlafen. Sie muss früh aus dem Haus, während ich noch eine halbe oder dreiviertel Stunde liegen bleiben könnte. Aber ich stehe mit ihr auf.
Ich genieße es, morgens Zeit zu haben. Dann koche ich Kaffee, höre Radio und bereite die Schulbrote für die Kinder vor, wenn Schulzeit ist. Alles in meinem Rhythmus und in meiner Geschwindigkeit.
Das Schönste ist: Am Ende bleibt meistens noch ein Moment, um mit der Tasse Kaffee auf die Terrasse zu gehen, die aufgehende Sonne zu betrachten und einfach nur zu sein.
Ich weiß: Bei vielen Menschen sieht der Morgen anders aus. Es muss schnell gehen. Aufstehen, frühstücken, fertig machen, Taschen packen oder noch nach dem Schlüssel suchen. Und während all das erledigt wird, sind die Gedanken längst dort, wo wir eigentlich erst noch hinmüssen: bei der Arbeit, beim ersten Termin, bei den Aufgaben des Tages.
Der Tag läuft bereits auf Hochtouren, bevor wir überhaupt das Haus verlassen haben.
Dabei braucht es gar nicht viel, um diesen Automatismus für einen kurzen Moment zu unterbrechen. Keine lange Meditation. Kein aufwendiges Morgenritual. Nur ein paar Minuten zwischen dem letzten Schluck Kaffee und dem ersten Schritt vor die Tür.
Bleib noch einen Augenblick sitzen oder stehen. Atme einmal bewusst ein und wieder aus. Spüre dem Geschmack des Kaffees nach. Nimm wahr, was gerade da ist: das Licht, die Geräusche um dich herum, deinen Körper, deinen Atem.
Vielleicht tauchen dabei schon Gedanken an den bevorstehenden Tag auf. Das ist völlig in Ordnung. Du musst sie nicht verdrängen und auch nicht festhalten. Lass sie kommen und wieder gehen, ohne ihnen gleich zu folgen. Die Aufgaben laufen nicht weg. Für diesen einen Moment dürfen sie noch warten.
Es geht nicht darum, vollkommen ruhig zu werden oder an gar nichts zu denken. Und es geht auch nicht um ein neues Morgenritual, das du deinen gewohnten Routinen mühsam überstülpen musst. Es geht nur darum, für einen Augenblick ganz dort zu sein, wo du gerade bist – bevor du dich auf den Weg machst.
Mehr als ein paar Minuten braucht es dafür nicht.
Dann öffne die Tür und beginne deinen Tag.
Nicht schon drei Schritte voraus. Sondern genau hier.
