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Die Trauer in sich selbst überwinden

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber wenn ich still werde, zur Ruhe komme, dann ist da häufig eine tiefe Traurigkeit, die unter den unzähligen Gedanken und sonstigen, schnelllebigen Gefühlen des Alltags liegt.

  • Die Trauer über verpasste Gelegenheiten in der Vergangenheit.
  • Die Trauer darüber, dass so manches in meinem Leben nicht so gekommen ist, wie ich es mir als Kind vorgestellt hatte.
  • Die Trauer über falsche Entscheidungen.
  • Die Trauer über Konflikte, die ich gerne anders geregelt hätte.
  • Die Trauer über den Zustand der Welt und die Ohnmacht, nicht wirklich etwas daran ändern zu können.

Heute ist der 1. November. Allerheiligen. Die Menschen gehen auf die Friedhöfe und Gedenken der Verstorbenen. Der trübe Monat November beginnt. Welcher Tag wäre besser geeignet, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Vielleicht kennt ihr das nicht. Vielleich läuft bei einigen alles nach Plan. Wenn dem so ist, will ich euch nichts einreden. Für diejenigen, die auch so manches mal struggeln, sich fragen, wo sie falsch abgebogen sind, oder der Vergangenheit hinterhertrauern: Hier meine Gedanken dazu.

Wie geht man um mit dem eigenen und dem Weltschmerz? Im Grunde, wie mit allen problematischen Gefühlen: Bewusst machen, annehmen, loslassen – so weit es geht. Denn gerade bei der Trauer oder der Traurigkeit ist es noch um ein Vielfaches leichter gesagt als getan. Und ganz generell: Unser Leben ist im Fluss und bleibt es auch. Wir sind im Prozess. Und so ist es auch ein stetiges Üben, ein stetiges Aufmerksam werden und ein stetiges Ausbalancieren. Wie alle Gefühle gehört auch die Traurigkeit dazu. Sie einfach nicht wegzudrängen und nicht haben zu wollen, wird nicht gelingen. Denn das würde bedeuten, kein Mensch zu sein.

Doch zurück zum Dreiklang:

Bewusst machen

Achtsamkeit ist wieder einmal der Schlüssel. Erst wenn ich hinschaue und etwas bewusst wahrnehme, kann ich es letztlich verändern und beeinflussen. Es ist sinnvoll, einfach einmal in sich hineinzuhorchen. Wie geht es mir gerade? Bin ich fröhlich? Bin ich angespannt? Bin ich traurig? Gibt es eventuell Ursachen, die sich leicht beheben lassen? Bin ich müde? Habe ich Schmerzen? Habe ich Hunger? Vieles lässt sich leicht lösen.

Oben habe ich jedoch geschrieben, dass die tiefe Traurigkeit aufkommt, wenn ich ruhig werde. Das zeigt mir, dass die Wurzel dieses Gefühl tiefer liegt, weit verborgen in meiner Vergangenheit. Auch hier gilt es, die Ursache zu finden. Daher werde ich mich in der nächsten Zeit sehr intensiv mit meiner Vergangenheit auseinandersetzen. Das Instrument dafür wird Journaling sein, dem ich demnächst einen weiteren Blogbeitrag widmen werde.

Annehmen

Bleiben wir bei der einfachen Traurigkeit (oder der akuten Wut, der akuten Anspannung, Überforderung oder was auch immer). Oder einfacher gesagt: Bei einer Situation, in der ich die Ursache für die wahrgenommene Emotion kenne. Dann gilt das Prinzip: Der schnellste Weg ist immer mitten durch. (Ich glaube Laura Malina Sailer nennt das immer so – Grüße gehen raus!) Was ich damit meine: Man darf das Gefühl einfach zulassen. Man darf es annehmen und man darf es aushalten. Denn diese starken Emotionen sind nicht für die lange Strecke gemacht. Und die Annahme nimmt ihnen zusätzlich die Kraft. Das Verkrampfen, das Weghaben wollen, das Bekämpfen hingegen nährt sie.

Für die Vergangenheit bedeutet das: Frieden schließen, mit dem was war. Doch wie gesagt: Pauschal hilft das wenig. Wenn man nur die Brombeer-Ranke abschneidet, treibt sie wieder aus. Erst wenn man die Wurzel ausgräbt, wird sie nicht mehr nachwachsen.

Was wir uns auf jeden Fall bewusst machen dürfen: Jedes unserer Gefühle hat einen Zweck und will uns helfen. Es sind Freunde, keine Feinde – auch wenn es sich manchmal anders anfühlt.

Loslassen

Und irgendwann ist es dann durchgestanden. Die Traurigkeit vergeht, der Zorn verraucht. Durch die Klarheit kann man ganz pragmatisch die nächsten Schritte planen oder zuversichtlich in die Zukunft schauen. Die Emotion darf gehen, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat. Irgendwann wird auch die Wurzel ausgegraben sein.

In der Stille ist Frieden

Doch egal wie herausfordernd es gerade ist, wie tief der Schmerz sitzt, wie unklar die Ursachen oder wie wenig gelöst die Probleme sind: Es gibt immer einen Ort, an den wir uns wenden können: Die Stille, die Ebene, die unter allem liegt, die Ebene des Seins. Der Weg dorthin sind Meditation und Kontemplation: Ruhig werden, still werden. Die Verbundenheit mit allem spüren und den Frieden erfahren, in dem sich keine Fragen mehr stellen und keine Erklärungen mehr notwendig sind. Ganz bewusst möchte ich dies an dieser Stelle nicht mit irgendeiner spirituellen Richtung oder Religion verknüpfen. Denn der Weg dorthin steht allen offen.

In diesem Sinne: Bleib achtsam und hoffnungsvoll und fühl dich verbunden.

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