Heute ist Neujahr.
Heute beginnen die guten Vorsätze.
Je älter ich werde, desto weniger bin ich von diesem Konzept überzeugt. Denn wenn ich eine Veränderung in meinem Leben erreichen möchte, dann sollte ich sie sofort angehen und nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt warten. Und doch ist der Jahreswechsel natürlich eine Zeit zum Innehalten und Reflektieren.
- Was ist im vergangenen Jahr gut gelaufen, was schlecht?
- Was möchte ich im kommenden Jahr besser machen?
- Was möchte ich gerne beibehalten?
Bei mir persönlich ist diesmal noch eine weitere Frage hinzugekommen:
- Was möchte ich in mein Leben zurückholen?
Seit ich in der dritten oder vierten Klasse war (so ganz genau weiß ich es nicht mehr), habe ich Gitarre gespielt. Dieses Hobby begleitete mich über viele Jahre. Als ich dann irgendwann mit dem Gitarrenunterricht aufhörte, verschwand das Gitarre spielen dann nahezu vollständig aus meinem Leben.
Zugegeben: Als Kind habe ich das Gitarre spielen nie so recht wertgeschätzt. Denn klassische Gitarre ist zwar recht nett, aber nichts, womit man beeindrucken kann. Diejenigen, die E-Gitarre gespielt haben, waren die „Coolen“. Und dennoch hat sich mit den Jahren des Unterrichts und des Dabeibleibens eine Fähigkeit entwickelt, die wie das Fahrradfahren nie mehr ganz verloren geht.
Als klassischer Gitarrist hat man eine bestimmte Art, sich seine Fingernägel zu schneiden. Die der linken Hand sind so kurz wie möglich, um auf dem Griffbrett die Saiten richtig runterdrücken zu können. Die an der rechten Hand bleiben länger, weil der Ton viel schöner klingt, wenn man die Saite mit dem Nagel statt der Fingerkuppe anschlägt. Obwohl ich nicht mehr spielte, habe ich diese Art der „Nagelpflege“ immer beibehalten. So ganz, hatte ich also nie mit der Gitarre abgeschlossen.
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder einmal kurze Momente, in denen ich die Gitarre aus ihrem Koffer geholt und ein paar der Etüden oder anderen Stücke gespielt habe. Und immer war da ein vertrautes Gefühl und eine einfache Freude (auch wenn die Finger der Griffhand sehr schnell schmerzten und die Finger der rechten Hand nicht auf anhieb alle Saiten trafen). Doch wie es so ist, kam dann der Alltag wieder und die Gitarre zurück in die Ecke.
Das ist etwas, das ich 2023 ändern möchte. Ich möchte die Gitarre und die selbst gemachte Musik in mein Leben zurückholen. Als ein Teil, der mein Leben bereichert.
Dabei steckt noch ein weiterer Gedanke dahinter: Bei den meisten kreativen Dingen, die ich tue, besteht direkt ein professioneller Anspruch – sei es beim Schreiben, beim Fotografieren, beim Bildbearbeiten oder beim Zeichnen. Beim Joggen oder Kochen ist das anders. Hier ist es der Moment, der zählt und der mich in das Hier und Jetzt holt. Mit der Gitarre soll eine weitere dieser Tätigkeiten zurückkehren, bei der das Tun dem Sinn entspricht.
Wie ist es bei dir? Gibt es auch bei dir etwas, das du in dein Leben zurückholen möchtest? Du bist herzlich eingeladen, einmal darüber nachzudenken. Ich sage „Prosit Neujahr“ und wünsche dir ein wundervolles, gesundes, schönes und erfolgreiches 2023!
